die fensterflügel trotz des aufdringlichen wetters zum jahresende nochmals ganz weit zu öffnen, wird meist in wundersamer weise belohnt. denn die geister des vergangenen jahres, die herumstreifen da draussen im schneetreiben, vermag niemand beim namen zu nennen. von einem vorschnellen urteilsspruch zum schattendasein verbannt, ist davon nichts in die warmen stuben hereingedrungen. ein urteil, das ursprünglich dazu diente, der nötigen geschäftigkeit keinen abbruch zu tun, darf jetzt mit milderen augen einer erneuten prüfung unterzogen werden. in dieser trägen vorweihnachtszeit soll den verstossenen, den missachteten und unrühmlichen der platz am feuer gewährt sein. so werden sie zu anderen. denn was herr goethe von den menschen sagte, lässt sich auf viele unserer betrachtungen und einschätzungen übertragen:
"Wenn wir die Menschen nur nehmen wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind."
johann wolfgang von goethe wilhelm meisters lehrjahre
dass klaus kinski, bevor er sich endgültig für die schauspielerei entschied, ein erfolgreicher rezitator war, ist nur wenig bekannt. wer also seine lieben zu weihnachten das schaudern lehren will, der besorgt als geschenk die box kinski spricht werke der weltliteratur. auf 20 cd's schmettert, plärrt, singt und kreischt der rabauke werke aus den federn von dostojewskij über goethe bis villon.
"weisst du, karin, der mensch ist schlimm. letztlich erträgt er alles, - alles. der mensch ist hart und brutal. und jeder ist ihm austauschbar, - jeder. das muss er lernen."
petra von kant zu karin thimm
in rainer werner fassbinder's die bitteren tränen der petra von kant