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09.11.2012
sentenz
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen."
theodor w. adorno
minima moralia - reflexionen aus dem beschädigten leben
09.05.2012
bastard post
literarische morbidität vs. musikalische romantik. entscheidet selbst.
"[..] Jeder, der den Willen zur wichtigsten Freiheit hat, muss es wagen, sich zu töten. Wer es wagt, sich zu töten, der hat das Geheimnis des Betruges erkannt. Weiter gibt es keine Freiheit; das ist alles, weiter gibt es nichts. Wer sich zu töten wagt, ist ein Gott. Jetzt kann es jeder machen, dass Gott nicht mehr ist und überhaupt nichts ist. Aber noch keiner hat es jemals getan."
alexej nilytsch kirillow
in die dämonen von fjodor dostojewskij
scott walker - my death im original von jacques brel (scott)
"[..] Jeder, der den Willen zur wichtigsten Freiheit hat, muss es wagen, sich zu töten. Wer es wagt, sich zu töten, der hat das Geheimnis des Betruges erkannt. Weiter gibt es keine Freiheit; das ist alles, weiter gibt es nichts. Wer sich zu töten wagt, ist ein Gott. Jetzt kann es jeder machen, dass Gott nicht mehr ist und überhaupt nichts ist. Aber noch keiner hat es jemals getan."
alexej nilytsch kirillow
in die dämonen von fjodor dostojewskij
scott walker - my death im original von jacques brel (scott)
24.03.2012
sentenz
(bisschen mehr beat, bitte!)
allen ginsberg
das geheul (howl)
| ginsberg & kerouac |
"[1. Ich sah die besten Köpfe meiner Generation vom Wahnsinn zerstört, verhungernd hysterisch nackt,] 53. die ihre Armbanduhren vom Dach warfen, um ihre Stimme abzugeben für eine Ewigkeit jenseits der Zeit, und während der nächsten zehn Jahre fiel ihnen jeden Tag ein Wecker auf den Kopf"
allen ginsberg
das geheul (howl)
10.02.2012
sentenz
"Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens, die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewusstsein zur Ruhe begeben, dass die Gewohnheit schon weiss, was sie zu tun hat, und ihrer nicht bedarf."
marcel proust
auf der suche nach der verlorenen zeit, bd. 2
im schatten junger mädchenblüte
04.02.2012
29.01.2012
Bouvard et Pécuchet von Gustave Flaubert - eine Geschichte zwischen Inspiration und Ignoranz
Bouvard's und Pécuchet's Wissensdurst steht die Aussage gegenüber, es handle sich bei ihrer Geschichte um eine Beschreibung der menschlichen Dummheit. Bouvard und Pécuchet versuchen sich nacheinander in ganz verschiedenen Disziplinen der Wissenschaften und Künste. Je grösser der Eifer der beiden zu Beginn ihrer Abenteuer ist, desto mehr empören sie sich über das Scheitern ihrer Projekte. Dabei machen sich Bouvard und Pécuchet niemals Eingeständnisse, was die Qualität ihrer eigenen Motive angeht. Ihr Interesse ist rein und der Anspruch an dessen Verwirklichung absolut. Ebenso launenhaft, wie ihr intellektueller Blindflug durch die Wissenschaften, beginnt das Gelernte sie umzutreiben. Unzulänglichkeiten und Widrigkeiten lassen sie vom Glauben an das rationale und geordnete Leben abfallen. Sie entwickeln sich in der Wahrnehmung Anderer zu Anarchisten, für die Werte und Pietät nur Fortschrittshindernisse bedeuten. Ihr angestrebter Erkenntnisgewinn unterliegt keinerlei Selektion. Der Hypothese, als auch deren Entkräftung sowie dem neuerlichen Entwurf messen sie uneingeschränkte Geltung bei. Sie vernachlässigen ihre Prämissen und Veranlagungen ebenso, wie die eigene Tauglichkeit und leben in einer Dimension, in der alles gilt, jedoch nichts wahrhaftig ist.
Ihr launenhafter Wissenserwerb wird rasch einem Attraktionstest unterzogen. Die Präsentationen werden als gesellschaftliche Ereignisse auf dem landwirtschaftlichen Gut der beiden inszeniert. Dabei benutzen sie schamlos ihr Umfeld, welches der Zeit entsprechend weniger aus Freundschaften, als aus standesgemässen Kontakten besteht. Für Unverständnis oder gar Widerspruch aus dem konsternierten Publikum bringen Bouvard und Pécuchet keinerlei Verständnis auf. Im Gegenteil, schnell fühlen sie sich missverstanden und reagieren ungehalten. Da ist es dann auch kein langer Weg, bis zu den ersten verbitterten Bemerkungen über die Ignoranz oder den mangelhaften Intellekt ihrer undankbaren Bekannten. Besonders das letzte Kapitel, in welchem Bouvard und Pécuchet zwei Zöglinge direkt an ihrem Wissensschatz teilhaben lassen wollen, zeugt vom tölpelhaften Unvermögen der beiden, Verständnis für Moral und Sitten als Grundlagen eines tugendhaften Lebens weiterzureichen. Derart zur Schau gestellt, wird ihrem Wissen kein Wert anerkannt. Nur den Präsentationen selbst bekunden einige Wenige einen skurrilen Unterhaltungswert. So werden sie selber zu Attraktionen. Im Dorf sind sie bekannt, wie bunte Hunde, über die das geringste Volk verächtlich den Kopf schüttelt.
Diese Ignoranz im Wissen-Wollen ist die eklatante Dummheit Bouvard's und Pécuchet's. Sie ist hart erkämpft und äussert sich mit nervöser Penetranz. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, bedeutete es für sie grosse Anstrengungen, zu den Mitteln zu kommen, die ihren Wissensdurst stillten. Der Roman spielt Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Das Wissen stand damals nur einer erlesenen Gemeinschaft zur Verfügung. Die Auswahl ihrer Quellen erfolgte nach einem Wirksamkeitsprinzip: konnte der Inhalt einer Lehre vor den eigenen Erfahrungen oder vor Publikum nicht bestehen, so war sie in den Augen Bouvard's und Pécuchet's widerlegt und zu nichts nutze. Mit der Hartnäckigkeit von Betrogenen sind sie auf der Suche nach einer Wahrheit, die sie in ihrer Vorstellung nur immer wieder hinters Licht führt.
Insgesamt nahm die unvollendete Schrift Gustave Flaubert's eine Entwicklung vorweg, welche sich bis heute zuspitzt. Der Eifer, wissen zu wollen, begann mit der Verfügbarkeit von Wissen und Information zu wachsen. Die Geltungssucht der Informationen reizt unsere Wissbegier umso mehr. Ein Mahlstrom der Unstillbarkeit tut sich auf. Jeder kann alles in Erfahrung bringen, zu jeder Zeit. Ein vertieftes Verständnis für die Materie und deren Anbindung an ihre Umgebung - die wahrhaftige Komponente des Wissens - wird immer seltener erlangt. Die Demokratisierung des Wissens hat so eine Abwertung desselben zur Folge. Seine spektakuläre Inszenierung transformiert Inhalte zu Tupfern in einem Mosaik, dessen Einzelteile nicht zusammenpassen wollen.
Nach allen Misserfolgen haben sich Bouvard und Pécuchet darauf beschieden, wieder zu ihrem alten Beruf zurückzukehren, da "ihnen alles unter ihren Händen in Stücke zerbrochen ist". Wenn alle Stricke reissen, sind wir also doch einfach das, was wir sind und erst dann ist das auch genug wert. Ein Effekt, welcher der rasanten Differenzierung vieler Lebensbereiche folgt, lässt sich an dieser Schlusswendung in Flaubert's Roman ablesen.
In einer Gesellschaft, die vorgibt, jedem von uns eine Unzahl von Angeboten offenzuhalten, agiert man bald mit Resignation. Jede ungenutzte, dieser potenziellen Möglichkeiten, schlägt imaginäre Krater in die eigene Vita. Und auch hier ist viel Bouvard'scher und Pécuchet'scher Eifer zu entdecken. Es scheint, als müsste in dieser Welt voller Optionen der Mensch bis auf seinen Kern abgerieben werden, in einer Mühle zwischen Wissen und Wollen, um schlussendlich zu seinem Selbstwert zu finden. Nach dieser Odyssee bleibt eine Reduktion übrig, ein Fragment unserer selbst, das blendet mit seinem Schliff und Glanz. Weshalb aber hüten wir dieses Schmuckstück vor neugierigen Blicken und verdecken nach Möglichkeit seine unprätentiöse Schönheit? Weil sich darin alle unsere verlustreichen Kämpfe spiegeln, die wir auf dem Weg zu diesem bescheidenen Gewinn ausgefochten haben. Es steht stellvertretend für den Verlust aller Möglichkeiten. Bouvard und Pécuchet haben für ihre bescheidene Erkenntnis, dass ihr ursprünglicher Beruf doch gut genug für sie sei, mit dem Verlust von Träumen und Hoffnungen bezahlt.
Es ist schwierig, dem antiken, griechischen Orakelspruch Genüge zu tun, wonach es Ziel jedes Menschen sei, sich selbst zu erkennen. Heute wie ehemals. Die Vielfalt an Werkzeugen, die man uns heute zum Sichern und Erleichtern des Wegs reicht, ist überwältigend. Umso mehr Achtsamkeit ist geboten bei deren Auswahl.
08.12.2011
kinski, der rezitator
dass klaus kinski, bevor er sich endgültig für die schauspielerei entschied, ein erfolgreicher rezitator war, ist nur wenig bekannt. wer also seine lieben zu weihnachten das schaudern lehren will, der besorgt als geschenk die box kinski spricht werke der weltliteratur. auf 20 cd's schmettert, plärrt, singt und kreischt der rabauke werke aus den federn von dostojewskij über goethe bis villon.
21.11.2011
die unfreiheit, zu protestieren
sophie hunger berichtet im rahmen ihrer us-tour "vom leben und sterben amerikas". amerika im fokus der bewegten frau hunger - eine vergnügliche lektüre. mit der gebotenen distanz der forschungsreisenden ergeben sich interessante makroaufnahmen amerikanischer eigenart. die aufzeichnungen leben von den eigentümlichen und bisweilen schrulligen ansichten ihrer interpretin. hunger verteidigt die partikularität ihrer eindrücke und vermeidet so den kopfschüttelreflex, welcher viele heimsucht, sobald das wort auf die eine oder andere angewohnheit der amerikaner fällt.
ihr schreibstil ist aber ein eigentliches menetekel. vielmehr als der gegenstand ihrer worte, öffnet der nämlich einen raum zwischen den zeilen und ja - nach jedem punkt. hier entfalten die angereicherten eindrücke ihre sinneskraft und wirken - ganz ohne empörung einzuflössen. die verheissungsvolle kraft folgt aufs lesen. und das ist bemerkenswert heutzutage, wo worte uns fristlos rühren sollen, wie donnerschläge und meinungen als universelle erkenntnis gebrandmarkt werden.
in folge sechs - "amerika entstand aus der revolte" - beschreibt sie den protest, der sich kürzlich rund um den globus ereignete und trifft damit den kern der sache:
der protest, eine totgeburt? unser sättigungsgefühl hat sich mit dem widerstandsverständnis von damals ins bett gelegt. die frucht dieser verbindung ist ausgestattet mit einer erbanlage, die nicht dazu taugt, zu verrichten, was so dringend nötig gewesen wäre. nämlich zündender funke zu sein.
dem unfrieden, welcher uns heute die galle hochtreibt, fehlt ein neuer name.
wir haben es uns verdient, so zu liegen, wie wir uns gebettet haben. ganz im gegensatz zu yoko und john. sie legten sich in das biedere bett ihrer zeit, legten sich eben da hinein. wohl wissend, dass es das bett ihrer eltern und grosseltern war, in welchem sie die kameras dieser welt als fremdkörper und anpranger aufzeichneten.
unsere betten hingegen sind gemacht - und zwar von uns selbst. aller aufgebrachte ernst in der eigenen entscheidung, heutige zustände nicht zu billigen und dies mit plakat und buntstift zu proklamieren, verkommt damit zu kümmerlicher inszenierung. denn in wirklichkeit wurde diese unbill längst annektiert. der widerstand ist heute eine gut frequentierte einbahnstrasse im verkehrszentrum unserer multioptionsgesellschaft. sie zu fliehen heisst einfach, woanders mitzumachen.
kürzlich kam die frage auf, weshalb sich gelehrte und schriftsteller unserer zeit nicht bemüssigt fühlen, die krisen und proteste mit ihren klarheit schaffenden blicken zu bedenken. vermutlich tun sie nur gut daran und halten sich schadlos. denn die vernünftigen werden bemerkt haben, dass in diesem fall die mittel den zweck entheiligen.
ihr schreibstil ist aber ein eigentliches menetekel. vielmehr als der gegenstand ihrer worte, öffnet der nämlich einen raum zwischen den zeilen und ja - nach jedem punkt. hier entfalten die angereicherten eindrücke ihre sinneskraft und wirken - ganz ohne empörung einzuflössen. die verheissungsvolle kraft folgt aufs lesen. und das ist bemerkenswert heutzutage, wo worte uns fristlos rühren sollen, wie donnerschläge und meinungen als universelle erkenntnis gebrandmarkt werden.
in folge sechs - "amerika entstand aus der revolte" - beschreibt sie den protest, der sich kürzlich rund um den globus ereignete und trifft damit den kern der sache:
"Manchmal habe ich das Gefühl, als wäre der Marsch, die Straße, das Plakat, die Menge, der Arafatschal, die Trillerpfeife, die Polizei, das Megafon, die Route, der Sprechgesang und selbst der Körper nichts als Teil eines anderen, großen Mythos. Spielen wir Demonstration, so wie wir es kennen von den Bildern aus unserer Vergangenheit? Wurden diese Gesten, Grimassen und Requisiten nicht entwickelt an einem Feind, um den es hier gar nicht geht? Wir fordern nicht den Kopf des Königs, des Despoten oder Polizeistaates. Wir opponieren gegen das Resultat unserer vermeintlichen Errungenschaften. Wie zersägt man den Ast, auf dem man sitzt? Wie entkolonialisiert man Afrika? Und wie, liebe ZEIT-ONLINE-Leser, wie dekonstruiert man Geld?"
der protest, eine totgeburt? unser sättigungsgefühl hat sich mit dem widerstandsverständnis von damals ins bett gelegt. die frucht dieser verbindung ist ausgestattet mit einer erbanlage, die nicht dazu taugt, zu verrichten, was so dringend nötig gewesen wäre. nämlich zündender funke zu sein.
dem unfrieden, welcher uns heute die galle hochtreibt, fehlt ein neuer name.
wir haben es uns verdient, so zu liegen, wie wir uns gebettet haben. ganz im gegensatz zu yoko und john. sie legten sich in das biedere bett ihrer zeit, legten sich eben da hinein. wohl wissend, dass es das bett ihrer eltern und grosseltern war, in welchem sie die kameras dieser welt als fremdkörper und anpranger aufzeichneten.
unsere betten hingegen sind gemacht - und zwar von uns selbst. aller aufgebrachte ernst in der eigenen entscheidung, heutige zustände nicht zu billigen und dies mit plakat und buntstift zu proklamieren, verkommt damit zu kümmerlicher inszenierung. denn in wirklichkeit wurde diese unbill längst annektiert. der widerstand ist heute eine gut frequentierte einbahnstrasse im verkehrszentrum unserer multioptionsgesellschaft. sie zu fliehen heisst einfach, woanders mitzumachen.
kürzlich kam die frage auf, weshalb sich gelehrte und schriftsteller unserer zeit nicht bemüssigt fühlen, die krisen und proteste mit ihren klarheit schaffenden blicken zu bedenken. vermutlich tun sie nur gut daran und halten sich schadlos. denn die vernünftigen werden bemerkt haben, dass in diesem fall die mittel den zweck entheiligen.
06.10.2011
sentenz
"Nicht was man aus uns gemacht hat, ist das Entscheidende, sondern was wir selbst aus dem machen, was man aus uns gemacht hat."
jean-paul sartre
dieser satz hat die kraft, sich in den gehirnwindungen des lesenden festzusetzen. eine zeit lang kann man sich sinnierend seiner zweideutigkeit hingeben. zunächst leisten triumph und illusion als gegensätzliche pole orientierungshilfe. das faszinierende daran ist, dass - je länger man sich mit diesen worten beschäftigt - die beiden begriffe sich in einem perpetuum mobile der widersprüchlichkeiten übereinander zu legen beginnen und eine unterscheidung zunehmend unmöglich wird. daraus schöpft diese weissagung eine orakelhafte kraft.
das zitat wurde dem merkur sonderheft 09/10 des verlags klett-cora entnommen, welches sich unter dem titel sag die wahrheit! warum jeder ein nonkonformist sein will, aber nur wenige es sind mit möglichkeiten und grenzen des nonkonformismus in der heutigen gesellschaft beschäftigt. die enthaltenen 25 essays, welche die thematik aus ganz unterschiedlichen perspektiven beleuchten, sind allesamt uneingeschränkt lesenswert.
wem ein skeptischer konformismus immer als die bequemere variante erschien, oder wer das bedeutungsspektrum der worte "change the system from within" ausloten will - dem- oder derjenigen sei diese zeitschrift wärmstens empfohlen. denn nicht vieles, was heute gedruckt wird, vermag einer begrifflichkeit so schamlos auf die pelle zu rücken, indem es sie quasi umzingelt. viel eher schwört man sich dieser tage auf eine verengende und vereinnahmende herangehensweise ein, welche dem gegenstand eine konsumentenverträgliche passform aufzwingt.
14.08.2011
materialismus und ignoranz - ein britischer musiker analysiert die sozialen unruhen
wer ignoriert, dass die vorgänge in grossbritannien ein hässliches kind unserer konsumzentrierten lebensweise sind, und ihnen die soziale komponente abspricht, missachtet eine realität, die dringend unserer ungeteilten aufmerksamkeit bedürfte. das gemeinschaftliche ideal des materiellen wohlstands als sozialökonomisches konzept muss überdenkt und korrigiert werden. junge menschen müssen - unabhängig von milieu, hautfarbe etc. - im rahmen ihrer schulbildung, mechanismen unseres wirtschaftssystems hinterfragen und relativieren lernen.
zu einem teil bedeutet dies die kapitulation vor den prozessen einer verwertungsgesellschaft, die in der realität vieler menschen unantastbar - und damit unhinterfragbar sind. je mehr medien über diese diffuse materie berichten, sei es in form des nächsten drohenden crashs oder in form von abzocker-stories, desto gewisser wird deren unbeeinflussbarkeit. wir alle wissen, welche gestalt reaktionen auf ohnmachtsgefühle bisweilen annhemen können. die affekthandlung der "bedrohten" lässt ganze strassenzüge in flammen aufgehen.
der britische musiker und produzent stephen wilkinson alias bibio analysierte unlängst die gewalteskalation auf seinem blog. er steht unter vertrag bei warp records, deren gesamter musikkatalog beim brand des sony/pias-gebäudes in london zerstört wurde. über 150 kleine record labels sind vom unglück betroffen, das in der nacht auf den 9. august von einem plündernden mob verursacht wurde.
bibio spart nicht mit anschuldigungen an die mentale verfassung der unterschicht-kids, 'chavs' genannt. ihr unbändiger herdentrieb nach luxusgütern stellt er als ursache der unruhen dar und befeuert damit das klischee des asozialen minderbemittelten, welches er aber im selben post wieder relativiert. gleichzeitig pocht er auf die reparatur von gemeinschaftsgefühlen mittels erziehung und bildung. seine perspektive auf die ereignisse ist allemal lesenswert.
zu einem teil bedeutet dies die kapitulation vor den prozessen einer verwertungsgesellschaft, die in der realität vieler menschen unantastbar - und damit unhinterfragbar sind. je mehr medien über diese diffuse materie berichten, sei es in form des nächsten drohenden crashs oder in form von abzocker-stories, desto gewisser wird deren unbeeinflussbarkeit. wir alle wissen, welche gestalt reaktionen auf ohnmachtsgefühle bisweilen annhemen können. die affekthandlung der "bedrohten" lässt ganze strassenzüge in flammen aufgehen.
| bibio |
der britische musiker und produzent stephen wilkinson alias bibio analysierte unlängst die gewalteskalation auf seinem blog. er steht unter vertrag bei warp records, deren gesamter musikkatalog beim brand des sony/pias-gebäudes in london zerstört wurde. über 150 kleine record labels sind vom unglück betroffen, das in der nacht auf den 9. august von einem plündernden mob verursacht wurde.
bibio spart nicht mit anschuldigungen an die mentale verfassung der unterschicht-kids, 'chavs' genannt. ihr unbändiger herdentrieb nach luxusgütern stellt er als ursache der unruhen dar und befeuert damit das klischee des asozialen minderbemittelten, welches er aber im selben post wieder relativiert. gleichzeitig pocht er auf die reparatur von gemeinschaftsgefühlen mittels erziehung und bildung. seine perspektive auf die ereignisse ist allemal lesenswert.
lord of the flies dressed by adidas
29.07.2011
h. d. thoreau - walden oder leben in den wäldern
wie man es einrichtet, beim lesen von henry david thoreau's walden dem eigenen streben nach besitztümern gelassen zu begegnen, steht nirgendwo geschrieben. eine marternde ambivalenz ist als folge der lektüre unumgänglich.
so kann es sich ergeben, dass die neue wohnwand beim vorübergehen einen hasserfüllten blick erntet und angespuckt wird, oder dass gar eine aufstehende schublade so unbeherrscht zugedroschen wird, dass die armaturen splittern. ausbrüche dieser art scheinen im zusammenhang mit walden oder leben in den wäldern nicht nur plausibel, sie sind eine implizit formulierte forderung. wirklich tragische züge nimmt die eruption erst an, wenn wir uns tags darauf reumütig mit den reparaturarbeiten beschäftigt sehen und in einem akt von zärtlichkeit die spucke dazu benutzen, alle spuren abzuwischen.
es ist so mit aller ideologie. sie bringt einen dazu, verbittert kleinzuschlagen, was ihr gefährlich werden könnte. ideologie genügt sich selbst und ist ein egomanisches arschloch. sie frisst unversehens auf, was zuvor unbeachtet an wahrheiten herumlag und verdaut es zu einem betonharten wurfgeschoss, welches fortan als primäres kommunikationsmittel verwendung findet. ihr radikales selbstverständnis gebietet, schärfer zu schiessen, je mehr der fragwürdige verdauungstrakt sich mit zweifel konfrontiert sieht.
walden ist unzeitgemäss, obwohl ihm allseits das gegenteil konstatiert wird. genau aus diesem grund ist seine wirkung so unerbittlich. jeder einzelne buchstabe lässt einen den verrat spüren, den wir seit langer zeit an unserer natur üben. der verbindende faden, vom damals zum heute, lässt sich nicht kappen. die unzeitmässigkeit wird zum verstärker aller versäumnisse und kumuliert die schuldgefühle ins unerträgliche. so folgt versuch auf versuch, zu relativieren und glatt zu streichen, was sich an meilenhohen wellen türmt. aber die inhaltskritik bleibt wirkungslos. ein freibillet für die ideologie bedeutet das freilich noch lange nicht. im gegenteil, gerade jetzt sollten die motoren der selbsterkenntnis auf hochtouren laufen.
| henry david thoreau |
"Was bei manchen wilden Völkern Brauch ist, könnte wohl mit Nutzen von uns nachgeahmt werden: sie tun wenigstens alljährlich dergleichen, als ob sie ihre Haut abwürfen; sie haben wenigstens eine Idee von der Sache, ob diese nun Wirklichkeit hat oder nicht. Wäre es nicht gut, wenn wir solch ein busk, ein 'Fest der Erstlinge' hätten, wie Bertram schreibt, dass es bei den Mucclasse-Indianern Sitte war: "Wenn die Stadt das busk feiert, so sammeln die Bewohner, nachdem sie sich vorher mit neuen Kleidern, Töpfen, Pfannen und anderen Haus- und Einrichtungsgeräten versehen haben, alle abgetragenen Kleider und übrigen unappetitlichen Dinge und putzen und reinigen ihre Häuser, Plätze und die ganze Stadt von allem Unrat, den sie nebst dem übriggebliebenen Korn und sonstigen alten Vorräten auf einen Haufen zusammentragen und vom Feuer verzehren lassen. Nachdem die Arznei genommen und drei Tage lang gefastet haben, wird alles Feuer in der Stadt ausgelöscht. Während der Fastenzeit enthalten sie sich von der Befriedigung jeglichen Verlangens und jeglicher Leidenschaft. Allgemeine Amnestie wird verkündigt, alle Übeltäter dürfen in ihre Heimat zurückkehren.
Am vierten Tag erzeugt der Oberpriester, indem er trockene Holzstücke gegeneinender reibt, auf dem öffentlichen Platz ein neues Feuer, von dem aus alle Einwohner mit einer neuen, reinen Flamme versorgt werden.
dann speisen sie festlich vom neuen Korn und Obst, tanzen und singen drei Tage lang, und die vier folgenden Tage empfangen sie Besuch und freuen sich mit ihren Freunden aus den benachbarten Städten, welche sich auf gleiche Weise gereinigt und vorbereitet haben."
Auch die Mexikaner nehmen eine ähnliche Reinigung nach Ablauf von je zweiundfünzig Jahren vor, in der Meinung, es sei jetzt Zeit, dass die Welt untergehe.
Ich habe kaum je von einem wahrhaftigeren religiösen Ritus gehört - in dem Sinne, wie es das Lexikon erklärt, nämlich als "äusseres, sichtbares Zeichen einer inneren und geistigen Gnade" -, als diese ist, und hege nicht den geringsten Zweifel, dass die Betreffenden ursprünglich direkt vom Himmel zu solcher Handlung inspiriert wurden, wenn sie auch keinen biblischen Bericht über die Offenbarung besitzen."
h. d. thoreau
aus walden oder leben in den wäldern
14.07.2011
sentenz
der ausdruck "neusprech" (newspeak) hat in der orwell'schen terminologie einen festen platz. er bezeichnet den prozess der begriffsverengung. sie kann durch autoritäten bewirkt werden und ist ein schleichender begleiter unserer heutigen informationsgesellschaft. denn diesen effekt - neusprech - verfolgen nicht nur geübte rhetoriker als zielvorgabe mit ihren eindringlichen reden. viel subtiler und weitaus unbewusster sind wir heute damit konfrontiert. die gezeigte illustration rückt den begriff in einen schaurigen kontext. bringt man das zitat orwell's in verbindung, mit der personalisierung des internets, wie sie freund/feind google oder eben auch facebook praktizieren, drängen sich einige wichtige fragen auf.
wenn nicht..
| (via) |
25.06.2011
harry clarke
"Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?aus goethe's faust I
[..]
Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
Er um uns her und immer näher jagt?
Und irr ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
Auf seinen Pfaden hintendrein."
der eigentliche beginn der tragödie. dem strudel ist nicht zu entkommen. von hier an geht's nurmehr abwärts. maelstrom und schneckenkreis würden auch die aufschreckenden und fliehenden verschlingen. nur gibt es deren keine. es gibt auch keine resignierte. welche, die sich unabänderlichem schicksal ausgeliefert sehen und alles wider oder für einstellen. es gibt nur solche, die sich mit entsprechender körperbewegung im gewinde in den abgrund arbeiten. da herrscht ein infernalischer eifer, tiefer einzutauchen.
| harry clarke - illustrationen für faust (1925) |
| harry clarke - illustrationen für faust (1925) |
| harry clarke - illustrationen für faust (1925) |
weshalb clarke's illustrationen den geist der geschichten so treffen, lässt sich wohl nicht abschliessend erklären. es muss sich bei der sache um die eigentümliche lust am verderben handeln. die lust an misere und auswegslosigkeit, welche die tuschezeichnungen clarke's märchenhaft und romantisch einfangen.
der von seinem schicksal gezeichnete fischer in edgar allen poe's a decent into the maelström berichtete von der lust am eigenen verderben mit den folgenden worten:
der von seinem schicksal gezeichnete fischer in edgar allen poe's a decent into the maelström berichtete von der lust am eigenen verderben mit den folgenden worten:
"Ich fühlte tatsächlich den Wunsch, seine [des maelströms] Tiefen zu ergründen, obgleich ich mich selbst dabei opfern musste, und mein hauptsächlicher Kummer war der, dass ich meinen alten Gefährten an Land niemals von den Wundern berichten sollte, die ich erschauen würde. Das waren gewiss sonderbare Betrachtungen für einen Mann in meiner Lage, und ich habe schon manchmal gedacht, dass die Drehungen des Bootes im Strudel mir ein wenig den Kopf verrückt hatten."
30.05.2011
sentenz
"In jedem Kleide werd’ ich wohl die Pein
Des engen Erdelebens fühlen.
Ich bin zu alt, um nur zu spielen,
Zu jung, um ohne Wunsch zu sein.
Was kann die Welt mir wohl gewähren?
Entbehren sollst du! Sollst entbehren!
Das ist der ewige Gesang,
Der jedem an die Ohren klingt,
Den, unser ganzes Leben lang,
Uns heiser jede Stunde singt.
Nur mit Entsetzen wach’ ich morgens auf,
Ich möchte bittre Tränen weinen,
Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf
Nicht einen Wunsch erfüllen wird, nicht einen,
Der selbst die Ahnung jeder Lust
Mit eigensinnigem Krittel mindert,
Die Schöpfung meiner regen Brust
Mit tausend Lebensfratzen hindert.
Auch muss ich, wenn die Nacht sich niedersenkt,
Mich ängstlich auf das Lager strecken;
Auch da wird keine Rast geschenkt,
Mich werden wilde Träume schrecken.
Der Gott, der mir im Busen wohnt,
Kann tief mein Innerstes erregen,
Der über allen meinen Kräften thront,
Er kann nach außen nichts bewegen;
Und so ist mir das Dasein eine Last,
Der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst."
johann wolfgang goethe
faust
so klagt faust mephistopheles sein leid im ersten teil der tragödie. diesen versen will man alle bedeutung absprechen und ihnen mit hohn und spott begegnen, so wehleidig und unversöhnlich klingen sie. es ist ungünstig, die schwächen des lebens vor dem teufel auszubreiten. das trägt nicht eben zur deeskalation der situation bei. manchmal behält man da besser alles bei sich. landläufig ist diese verfahrensweise dann als tapferkeit bekannt und überaus geschätzt. man stellt damit sicher, dass niemand falsches von der eigenen misere wind bekommt. es könnte nämlich leicht gegen einen verwendet werden. und der teufel ist jemand falsches. dem teufel lacht man allenfalls ins gesicht und besteht darauf, dass einem nichts fehle. tapferkeit scheint mir gerade vor dem teufel die no. 1 tugend zu sein. man signalisiert damit, dass es nichts zu holen gebe, bei einem selbst. daran sollte jedem gelegen sein, der seine zukunft fernab von dreizack, schwefelheissem gestein und klauenfüssigem ungetier plant.
johann wolfgang goethe
faust
so klagt faust mephistopheles sein leid im ersten teil der tragödie. diesen versen will man alle bedeutung absprechen und ihnen mit hohn und spott begegnen, so wehleidig und unversöhnlich klingen sie. es ist ungünstig, die schwächen des lebens vor dem teufel auszubreiten. das trägt nicht eben zur deeskalation der situation bei. manchmal behält man da besser alles bei sich. landläufig ist diese verfahrensweise dann als tapferkeit bekannt und überaus geschätzt. man stellt damit sicher, dass niemand falsches von der eigenen misere wind bekommt. es könnte nämlich leicht gegen einen verwendet werden. und der teufel ist jemand falsches. dem teufel lacht man allenfalls ins gesicht und besteht darauf, dass einem nichts fehle. tapferkeit scheint mir gerade vor dem teufel die no. 1 tugend zu sein. man signalisiert damit, dass es nichts zu holen gebe, bei einem selbst. daran sollte jedem gelegen sein, der seine zukunft fernab von dreizack, schwefelheissem gestein und klauenfüssigem ungetier plant.
22.05.2011
sentenz
"incompossible, adj. - unable to exist if something else exists. two things are incompossible when the world of being has scope enough for one of them, but not enough for both."
ambrose bierce
schriftsteller und zyniker
the devil's dictionary
(via butdoesitfloat)
11.04.2011
Das instrumentalisierte Buch
Weshalb kann es in Zeiten des Umbruchs lohnenswert sein, ein romantisches Buch zu lesen? Dieser Frage wird hier in aller Kürze nachgegangen. Ziel dieser Abhandlung ist es, eine Rechtfertigung zu finden, Die empathische Zivilisation (Campus Verlag, 2010) von Jeremy Rifkin zu lesen.
Herr Rifkin ist Soziologe. Er berät Regierungen, unterhält einen eigenen Think Tank und schreibt Bestseller. Seine Reputation in der Fachwelt ist unbestritten. Und trotzdem brachte ihm sein siebzehntes Buch, "Die empathische Zivilisation - Wege zu einem globalen Bewusstsein" mit vollem Namen, nur Kritik und Verriss ein. Der wissenschaftliche Gehalt wurde bemängelt. Die Herleitungen für seine Thesen seien bestenfalls abenteuerlich und würden in ihrer Darstellung nur zum Umschreiben diffuser Gefühle taugen.
Es ist ein Buch über Empathie. Die viel gelobte Fähigkeit der Menschen, für und miteinander zu fühlen. Von den umstrittenen Spiegelneuronen ist die Rede und vom grundlegend Guten im Menschen. Nirgendwo ist ein Erklärungsansatz zu finden, wie es dem Menschen immer wieder so einwandfrei gelingt, all das Gute in sich zu unterdrücken. Rifkin zeichnet eine schillernde Zukunft, in welcher wir Verantwortung für einander übernehmen. Diese Prognose stützt er auf ziemlich beliebig gesammelte, historische Erkenntnisse.
Aber das Buch kann mit einem einfachen Fokus-Entscheid ganz vergnüglich gelesen werden. Man kann sich berauschen lassen, von soviel Optimismus. Und das Erstaunliche dabei ist, dass wenn der Entscheid gefällt ist, das fast widerstandslos gelingt. Tiefenschärfe wäre dem Optimismus abträglich und so schaltet man alles Sträuben aus und überlässt sich ganz der dumpfen Naivität.
Nichts von dem, was Rifkin schreibt, ist unehrlich oder unwahr. Er ist wie ein bunter Schmetterling, der von Honigblüte zu Honigblüte fliegt und sich niemals auf genverändertem Mais oder auf Ölpalmen einer Palmplantage niederlässt. Wer will den Honigblüten Wahrhaftigkeit und Geltungsrecht absprechen, nur weil da noch Genmais und Ölpalme sind?
Vermutlich hätte das Buch auch Timothy Leary schreiben können. Auch bei ihm gilt: wer seine Bücher in letzter Konsequenz in die Ecke der Esoteriker und Verblendeten stellt, tut ihm Unrecht. Denn es sind perspektivenabhängige Gegenentwürfe für diese von pausenlosen Schreckensnachrichten geplagte Welt. Auch wenn sie den Status der Wissenschaftlichkeit verfehlen, so können sie trotzdem Gutes bewirken, indem über Gutes berichtet wird. In aller Wahrheit und dem fernen Wissen und Gewissen, dass die dunkle Seite tagtäglich genug Beachtung erhalte.
| Jermey Rifkin |
Herr Rifkin ist Soziologe. Er berät Regierungen, unterhält einen eigenen Think Tank und schreibt Bestseller. Seine Reputation in der Fachwelt ist unbestritten. Und trotzdem brachte ihm sein siebzehntes Buch, "Die empathische Zivilisation - Wege zu einem globalen Bewusstsein" mit vollem Namen, nur Kritik und Verriss ein. Der wissenschaftliche Gehalt wurde bemängelt. Die Herleitungen für seine Thesen seien bestenfalls abenteuerlich und würden in ihrer Darstellung nur zum Umschreiben diffuser Gefühle taugen.
Es ist ein Buch über Empathie. Die viel gelobte Fähigkeit der Menschen, für und miteinander zu fühlen. Von den umstrittenen Spiegelneuronen ist die Rede und vom grundlegend Guten im Menschen. Nirgendwo ist ein Erklärungsansatz zu finden, wie es dem Menschen immer wieder so einwandfrei gelingt, all das Gute in sich zu unterdrücken. Rifkin zeichnet eine schillernde Zukunft, in welcher wir Verantwortung für einander übernehmen. Diese Prognose stützt er auf ziemlich beliebig gesammelte, historische Erkenntnisse.
Aber das Buch kann mit einem einfachen Fokus-Entscheid ganz vergnüglich gelesen werden. Man kann sich berauschen lassen, von soviel Optimismus. Und das Erstaunliche dabei ist, dass wenn der Entscheid gefällt ist, das fast widerstandslos gelingt. Tiefenschärfe wäre dem Optimismus abträglich und so schaltet man alles Sträuben aus und überlässt sich ganz der dumpfen Naivität.
Nichts von dem, was Rifkin schreibt, ist unehrlich oder unwahr. Er ist wie ein bunter Schmetterling, der von Honigblüte zu Honigblüte fliegt und sich niemals auf genverändertem Mais oder auf Ölpalmen einer Palmplantage niederlässt. Wer will den Honigblüten Wahrhaftigkeit und Geltungsrecht absprechen, nur weil da noch Genmais und Ölpalme sind?
Vermutlich hätte das Buch auch Timothy Leary schreiben können. Auch bei ihm gilt: wer seine Bücher in letzter Konsequenz in die Ecke der Esoteriker und Verblendeten stellt, tut ihm Unrecht. Denn es sind perspektivenabhängige Gegenentwürfe für diese von pausenlosen Schreckensnachrichten geplagte Welt. Auch wenn sie den Status der Wissenschaftlichkeit verfehlen, so können sie trotzdem Gutes bewirken, indem über Gutes berichtet wird. In aller Wahrheit und dem fernen Wissen und Gewissen, dass die dunkle Seite tagtäglich genug Beachtung erhalte.
15.03.2011
songs for the new industrial state
| sigmar polke - mu nieltnam netorruprup /(approx. no taoc nosmirc), 1975 |
krankgelesen, an allerlei wahrheiten
wundgehört, nicht glimpflicher.
(dieses gespann GAU-verursachender audiovision ergab sich rein zufällig auf der späten heimreise von der arbeit.)
15.09.2010
poe-ish
immer wieder stosse ich auf illustrationen, welche mich in ihrer ausstrahlung sofort an edgar allan poe's erzälungen erinnern. ich mag diese stimmung. in meiner wahrnehmung ist sie eher mystisch-romantisch gefärbt, denn schauerlich-erschreckend. das gruseln bleibt stets subtil - metaphysisch, wie's einer unserer grossen geschichtenerzähler formulierte.
dieses gruseln kommt nicht als mordende puppe zu dir. es steigt nicht aus einem brunnen empor und versteckt sich nicht hinter der goalie-maske. es grinst dich von innen heraus an und das allererschreckendste dabei ist, wenn du merkst, dass es deine züge trägt.
man gruselt sich gerne, in der federlande. diese gesuchte konfrontation mit dem dunklen selbst lässt den eigenen blick auf die welt gesunden.
dieses gruseln kommt nicht als mordende puppe zu dir. es steigt nicht aus einem brunnen empor und versteckt sich nicht hinter der goalie-maske. es grinst dich von innen heraus an und das allererschreckendste dabei ist, wenn du merkst, dass es deine züge trägt.
man gruselt sich gerne, in der federlande. diese gesuchte konfrontation mit dem dunklen selbst lässt den eigenen blick auf die welt gesunden.
maelström - harry clarke
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