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28.01.2013

bastard post

wie funktioniert eigentlich so ein bastard post und weshalb ist er für das musikverständnis das, was für die arche der berg ararat war?

simplifiziert und in kürze hat es damit das folgende auf sich: die emergenz - will heissen ein eindruck dessen, was über der musik schwebt aber unmittelbar von dieser verursacht ist - eines stücks wird konfrontiert, mit derjenigen eines anderen stücks. nach physikalischen gesetzmässigkeiten der wellenlehre entsteht folglich ein produkt, welches die jeweiligen schwingungen der stücke in sich vereint. diese einheit kann einer addition der schwingungen der einzelnen stücke entsprechen oder aber die totale gegenseitige neutralisierung bewirken. die emergenz der nächsthöheren ebene ist in beiden fällen das, was beide nacheinander gehörten stücke im konsumenten zurücklassen. denn emergenz hat keinen bestand ohne betrachtendes subjekt.

eine entscheidung zwischen den beiden ist dementsprechend immer nur vorgeschützt und argumentativ nicht zu legitimieren.

zwei songs. 1972 vs. 2013. entscheidet selbst.





27.10.2012

sundog - insofar

wer hat sich denn schon sattgesehen an diesen farben? der kreislauf nimmt mit dem ersterben der natur seinen anfang. es ist frühling - der frühling des sterbens: "it was autumn, the springtime of death. rain spattered the rotting leaves, and a wild wind wailed. death was singing in the shower. death was happy to be alive." (tom robbins, still life with woodpecker)

gut wenn in der betrachtung der ersten schneeflocken ein versöhnlicher frieden spürbar ist, dass sich das schon alles richtig ergebe. in diesem sinn macht sich die moderne kammermusik von arthur jeffes und oli langford als mediator verdient. insofar ist ein grossartiger vermittler zwischen persönlicher innenwelt und der unaufhaltsamkeit unseres naturzyklus.







10.06.2012

sentenz



"Dem Wissen aber darf man, wenn es förderlich sein soll, bei sich nicht bloss Unterkunft gewähren - man muss den Bund fürs Leben mit ihm schliessen."



michel de montaigne
essais - erstes buch, "über die knabenerziehung"

05.05.2012

personal space: electronic soul 1974 - 1984




einst lebte eine heimwehkranke kreatur bei mir. es war ihm der name Commander Woo Woo gegeben. des nachts, auf seiner hundehütte sitzend, pflegte er ihn im frühsten welpenalter schon sehnsuchtsvoll und in klagenden vokalen dem all entgegenzuhalten. der weite himmel über ihm und in ihm verursachte dem tier eine eigenartige physiognomie: ein paar mandelkerngrosse augen wuchsen ihm ebenda, wo die schädeldecke die höchste rundung des kopfes beschrieb. sie waren von oben her ganz grade da hineinversetzt, sodass sie stets aufwärts blickten. wenn sie offen standen, ergoss sich daraus eine weite, als würde durch den hund die unendlichkeit des kosmos in die kleine stube gefüllt, in der das kaminfeuer ungeduldige schatten an die wände warf. und wie er so da lag, seine spitze schnauze auf dem boden ausruhend, taten sie dem unselig gebund'nen wesen keinen geringeren dienst, als alles herkommen, den anfang und das unschaubare ende mit seiner ganzen unergründlichkeit herzuzwingen, in ihrem glanz ein fiebriges pantomimenspiel zu geben. was er sah - und ich in ihm - war nun nicht weniger unaussprechlich als zuvor, wenn es nicht hereingefunden hätte, vom haarigen getier auf solch unpassende bühne gedrängt.
--
du weisst nicht woher es kommt und wer der empfänger ist. aber was du davon erlangen kannst, fühlt sich gut an und du lauschst verzückt.

personal space: electronic soul 1974 - 1984 ist auf chocolate industries erschienen. produktbezogenere informationen sind deren homepage zu entnehmen.


the makers - don't challenge me (personal space: electronic space 1974 - 1984)




steve elliot - one more time (personal space: electronic space 1974 - 1984)




starship commander woo woo - master ship (personal space: electronic space 1974 - 1984)





15.03.2012

sentenz

   


"Die Musik erfasst mich oft wie ein Meer! Meinem bleichen Stern entgegen, unter einer Nebel-Decke oder in offener Himmelsweite, setz ich das Segel;


Die Brust voraus und die Lungen geschwellt wie Tuch im Wind, erklimme ich den Rücken der aufgetürmten Wogen, die mir die Nacht verhüllt;


Ich fühle alle Leidenschaften mich durchzittern eines schmerzlich ringenden Schiffes, der gute Wind, der Sturm und seine Zuckungen


Auf dem unendlichen Abgrund wiegen mich. - Und manchmal auch: Windstille, grosser Spiegel meiner Verzweiflung!"






"La musique souvent me prend comme une mer!
Vers ma pâle étoile,
Sous un plafond de brume ou dans un vaste éther,
Je mets à la voile;

La poitrine en avant et les poumons gonflés
Comme de la toile;
J'escalade de dos des flots amoncelés
Que la nuit me voile;

Je sens vibrer en moi toutes les passions
D'un vaisseau qui souffre;
Le bon vent, la tempête et ses convulsions

Sur l'immense gouffre
Me bercent. D'autres fois, calme plat, grand miroir
De mon désespoir!"





charles baudelaire
les fleurs du mal

04.03.2012

Beck






Sensation der Musik

Von allen Musikern, die ich bewundere und die mich über lange Zeit hin begleiten, ist Beck Hansen der einzige, dessen Lebenswerk ich aus einer aktuellen Perspektive überblicken kann. Mit kindlichem Eifer folgte ich seinem Schaffen, seit er erstmals auf den grossen Bühnen erschienen ist.

Meinem musikalischen Enthusiasmus sind bis heute kaum Grenzen gesetzt. Mit der Zeit verlor ich den Glauben an ein bestimmtes Muster, welchem die eigene Aufmerksamkeit folgt. Attraktion und Gefallen haben sich als ebenso vielfältig herausgestellt, wie die begehrten Objekte dieser Launen. Es ist die Reifeprüfung des Musikverständnisses, wenn auf die Frage nach dem Musikgeschmack nur stummes Kiemenflattern folgt. Zu sagen wäre Vieles, soviel versteht sich. Die Antwort lässt sich aber im besten Fall bruchstückhaft und um wesentliche Anteile beschnitten übermitteln.

Marcel Proust erkannte den Geist der darstellenden Kunst als Wahrheit, die einer wirklicheren Welt angehört als jener, in der wir leben. Und er bezeichnete das Vergnügen, welches den Konsum begleitet, als „unerlässliche Form, in der ich diese Wahrheiten in mein Bewusstsein überführen konnte [..]“. Ein Moment der Transzendierung also, wo Musik in Geist übergeht. Ein guter Happen New Age für die einen – aber sicher auch mit ein Grund, weshalb auf die Frage nach musikalischen Vorlieben vielsagend geschwiegen wird.

Mein Gefallen an der Musik von Beck Hansen sehe ich in engem Zusammenhang mit dem Glück, den Künstler im Zeitverlauf beobachten zu können. Moden, Trends und die Dynamik, welcher seine Musik in diesem Spannungsfeld folgte – das sind Faktoren, woraus sich die anhaltende Attraktion geformt hat. Sie steht in einem Gegensatz zu anderen Künstlern, die ich verehre, deren grosse Werke aber weit älter datiert sind, als diejenigen von Beck.

Das Lebenswerk von Beck hat sich losgelöst von sonst gültigen Qualitätskriterien. Es ist ein heikles Unterfangen, für eine Sache einzustehen, welche man unter anderen Voraussetzungen anders einschätzen würde. Sich dabei selber auf die Schliche zu kommen, braucht Übung. Denn offensichtlich entwickelt man Strategien, die Vorliebe zu decken, wenn immer man sie in Frage gestellt sieht. Hier wird mit verschiedenen Ellen gemessen. Und wenn darüber Rechtfertigung eingefordert wird, kann das Reflexe provozieren, die nicht weniger entblössend wirken, als der berühmte Windstoss unter den Rock. Alle Übung kann einen nicht von diesem peinlichen Eingenommensein befreien. So bleibt an der Attraktion dieser Sorte immer etwas Kindliches lebendig, das sich mit grossen, glänzenden Augen bestaunen lässt.


Aufnahmen und Effekte


Die Faszination nahm mit Loser und dem Album Mellow Gold 1994 ihren Anfang. Ungezählte Stunden verbrachte ich als Vierzehnjähriger rücklings auf dem Boden liegend, in die roten Deckenlichter starrend. Müssiggang von einem aufreibenden Teenagerleben, was meinem Anspruch an eine wirklichere Welt vollends Genüge tat. In den zwei Jahren bis Odelay, dem nächstbesten Albumrelease von Beck, hatte sich keine Sekunde der 70 Minuten Spielzeit von Mellow Gold totgehört. Im Gegenteil: was sich zum soliden Fundament für die neue Wirklichkeit verfestigt hatte, verlangte nach neuen Baumaterialien. Dieser vermeintliche Eskapismus eines Halbwüchsigen war in Wirklichkeit keiner. Es gab nichts, was mich Mellow Gold oder Odelay hätten fliehen machen können. Die ganze Brühe fing mit dieser Musik erst an zu leben – es dauerte eine Weile, bis ich dem Prinzip der Wirklichkeitsanreicherung auf die Spur kam, was ich ebenfalls der unendlichen Gunst der Musik verdanke. Die Erklärung dafür folgt an späterer Stelle.

Es waren weitere zwei Jahre zu überbrücken, bis einer meiner Favoriten in Beck’s Katalog erscheinen sollte. Für mein Verständnis hatte sich alles bisher veröffentlichte von Beck bewährt, dass ich nun meine Rechercheinstinkte geweckt sah. Ich war bereit, den Abwegen dieser Musik zu folgen, was zur wohl deutlichsten Prägung in meinem Leben als Musikenthusiast werden sollte. Viele Inspirationsquellen von Beck haben sich mir seit dieser Zeit erschlossen, während sie gleichzeitig Beck’s Status als offener Kreativer weiter festigten.

In dieser Zeit machte ich meinen Frieden mit One Foot in the Grave, welches amerikanische Musiktradition durch einen Trailerpark defilieren lässt. Diese Musik begann in ihrer Bedeutung weit über ihre einzelnen Komponenten hinauszuwachsen. Es war von nun an nicht mehr Vorrecht des Klangs, einziger Mittelpunkt der Musik zu sein. Ein Schlüsselerlebnis initiiert von einem Album, das im Wesentlichen primitive Grundzüge aufweist.

Mit Mutations hat Beck eins seiner wichtigsten Alben geschaffen. Seine Versatilität und Stilsicherheit gewann ganz neue Horizonte. Inmitten dieser trägen Melancholie voller uferloser Melodien wächst ein Lied mit dem Namen Tropicalia. Eine Kühnheit, die zusammen mit der durchgängigen Psychedelik des Albums surreale Formen annahm und meine Wahrnehmung von Musik aufs Neue veränderte.

Kurz darauf folgte das verkannte Midnight Vultures, in dessen Folge sich mir die erste Möglichkeit bot, Beck auf der Bühne zu erleben. Mit einer gut viertelstündigen Version des Soul Crooners Debra erfüllte sich mir im Volkshaus einer der tiefst gehegten Wünsche jener Zeit. Das Album ist seither unverrückbar mit diesem Ereignis gekoppelt und weckt noch heute unnachgiebig die typischen, kleinen Sinneseindrücke jener Nacht. Erklingt der Song Peaches & Cream, meine ich bis heute die Bodenauskleidung des Armee VW Busses zu riechen, mit welchem wir zum Konzert unterwegs waren.

Sea Change wurde vorab Stück für Stück auf Beck’s Webpage veröffentlicht. Es blieb das Album von Beck, mit welchem ich die weiteste Strecke zurückgelegt habe. Es hörte sich keine Zweimal gleich an. Irgendwann begann ich mir eine Vorstellung von der Kraft zu machen, die den Hörenden wie mit Geisterhand bewegt, immer weg vom vergangenen Hörerlebnis. Und ich war gerührt davon. Damit Sea Change die Bedeutung zukommen konnte, die es verdiente, musste es im ersten Moment irritieren. Diese Verwandlung der Musik machte es mir von nun an schwer, absolute Aussagen zu treffen über sie. Sie nährte allgemein ein Misstrauen, gegenüber der gängigen Interpretation von Geschmack. Welche Bewandtnis sollte es damit haben, wenn diese Musik so dynamisch und unberechenbar an Orte vorstiess, die ich mit meinem Geschmack hermetisch abgeriegelt hatte?

Guero war Beck’s Ode an die Strassen Los Angeles‘. In seinen Songs schwang dieses sehr konkrete Stadtgefühl. Es färbte meine Erinnerung an die Stadt komplett neu ein. L.A. hatte sich mir auf meiner Reise durch die USA nicht richtig erschlossen. Songs wie Earthquake Weather eröffneten mir neuen Zugang. Das war ein tiefer Eindruck einer Stadt, die real so nicht existiert – eine angereicherte Wirklichkeit eben. Das Resultat aus Erinnerung plus Musik.

Die Vertragserfüllung, welche Beck mit den beiden kommenden Alben The Information und Modern Guilt erreicht haben würde, gab mir hinter allem Einfallsreichtum den Arbeiter zu erkennen.

Mit der DVD, welche zusätzlich zum Album The Information geliefert wurde, hielt die Freude Einzug in unser Haus am See. Als handelte es sich um den neuesten Blockbuster, sassen wir gespannt vor dem TV und verfolgten die simplen Clips. Unzählige Stunden vibrierten die Bässe das Sägemehl aus den Ritzen der alten Balken. Dieses Haus sah Jahrhunderte ins Land ziehen. Vermutlich hatte es sich nie so bewegen lassen, wie es mit dieser Musik der Fall war. Die ehrwürdigen Hausgeister waren von so viel lautstarker Heiterkeit angetan und versorgten das alte Stadthalterhaus einen Herbst lang mit einer grossartigen Energie.


Hüter der Sache

Beck’s Präsenz im Internet machte es leicht, auch zwischen seinen regulären Veröffentlichungen Projekte aufzuspüren, an welchen er sich in unterschiedlicher Weise beteiligte. Darunter Stücke für Hollywood Film-Produktionen oder solche, an welchen er als Produzent und Gastmusiker mitwirkte. Ganz deutlich aber trug seine Handschrift, was manche seine Homepage nennen. Diese hatte Beck mit unkonventionellen und ausgebufften Innovationen gefüllt. Mit seinem Record Club entwarf er ein zukunftsweisendes Konzept, das mit ad hoc Musikerverbänden eine neue Perspektive auf ein nichtkommerzielles Angebot eröffnete. Zum Ende seiner Geffen Records Karriere stellte sich Beck also wieder die Gretchenfrage. Das oft exponierte und dargestellte Spüren nach alternativen Absatzwegen und die Verwirklichungsfrage allgemein, liessen für mich immer die nötige Demut der Musik gegenüber erkennen. Andererseits reiht sich diese Orientierung ein in die Vielfalt der Verwertungskonzepte unserer Unterhaltungsindustrie. Dass er aber den Schritt Richtung proklamierter Subversion gegen die Mechanismen der Musikindustrie konsequent verweigerte, imponierte mir zusätzlich. In der Einsicht, dass alles Wirken am Ende der grossen Maschine zudiene, wähnte ich ihn als Bruder im Geist.

Der grossen Konstante Musik wurde mit Beck ein Hirte und Schutzpatron zur Seite gestellt. Über der fortwährenden Suche nach meiner Musik schwebt seine hütende Hand. An viele Orte dieser Reise bin ich nur durch ihn gelangt. 18 Jahre mit dieser Musik haben mir Wahrheiten eröffnet, die meine Welt wirklicher machen.


20.12.2011

aufarbeiten: metronomy - the english riviera




die fensterflügel trotz des aufdringlichen wetters zum jahresende nochmals ganz weit zu öffnen, wird meist in wundersamer weise belohnt. denn die geister des vergangenen jahres, die herumstreifen da draussen im schneetreiben, vermag niemand beim namen zu nennen. von einem vorschnellen urteilsspruch zum schattendasein verbannt, ist davon nichts in die warmen stuben hereingedrungen. ein urteil, das ursprünglich dazu diente, der nötigen geschäftigkeit keinen abbruch zu tun, darf jetzt mit milderen augen einer erneuten prüfung unterzogen werden. in dieser trägen vorweihnachtszeit soll den verstossenen, den  missachteten und unrühmlichen der platz am feuer gewährt sein. so werden sie zu anderen. denn was herr goethe von den menschen sagte, lässt sich auf viele unserer betrachtungen und einschätzungen übertragen:


"Wenn wir die Menschen nur nehmen wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind."


johann wolfgang von goethe
wilhelm meisters lehrjahre




metronomy - some written (the english riviera)




metronomy - love underlined (the english riviera)




metronomy - the look (the english riviera)

05.12.2011

free cabin porn (sfw)

abgeschiedenheit ist - im gegensatz zur einsamkeit - mit sich im reinen. abgeschiedenheit problematisiert nicht ihren gegenpart, während einsamkeit immer die gewollte oder ungewollte absenz der gesellschaft bedauert. fehlende teilhabe, wenn wir den gegenpart der abgeschiedenheit so nennen wollen, wird in der abgeschiedenheit nicht als verlust wahrgenommen. denn gerade die distanz zur teilhabe ist es, die im abgeschieden-sein oft gesucht wird.

in der federlande tut man sich schwer, mit dem mangel an möglichkeiten zur abgeschiedenheit. denn die räumliche distanz verändert die betrachtungsweise und relativiert betroffenheitsgefühle. vorausgesetzt, rückkehr und erneutes teilhaben sind nicht ausgeschlossen. die anziehung der abgeschiedenheit liegt nicht nur darin begründet, von etwas abgeschieden zu sein. nein, sie misst ihre schönheit an der teilhabe, wie man sie kannte und zurück erlangen wird.

dieser kleine exkurs dient ausschliesslich dem zweck, zach klein's blog cabin porn einzuführen. kleine orte in grosser umgebung. der blog versammelt fotos, die keinen zweifel daran lassen, dass abgeschiedenheit als sehnsuchtsort unseren projektionen unterliegt.






16.11.2011

sentenz

 
"Nichts ist mir so unähnlich wie ich selbst, so dass es sinnlos wäre, mich anders als durch meine Mannigfaltigkeit definieren zu wollen."


jean-jacques rousseau

08.11.2011

sentenz

   
"Zauberhaft ist es nämlich, einfach dran vorbeizugehen, wenn die Menge ihre lauten Festivals der Hässlichkeit feiert."


max goldt
vom zauber des seitlich dran vorbeigehens




daran erinnert wurde ich heute früh, während in der bahn von sieben jungen menschen, welche ich in zwei viererabteilen zu überblicken vermochte, sieben junge menschen an ihrer energiedose nippten. "allesamt zu früh abgestillt!" schnaubte ich, denn ..



"Die Verachtung ist eine saubere und wertvolle Alternative zum Hass und zum Ekel."


max goldt
vom zauber des seitlich dran vorbeigehens

17.09.2011

soul tops

was einen letzten endes an neuer musik zu begeistern vermag, lässt sich kaum mit worten erklären. was aber nicht begeistert, tritt oft ganz schnell an die oberfläche. es sind kleinigkeiten, die sich in ihrer betrachtung isolieren lassen. während aber das, was begeisterungsstürme auslöst, sich nur im ganzen zeigt. da kann es sich um eine passage handeln, begleitet von instrumenten oder effekten, die man beim zuvor gehörten interpreten noch verschrien und sie als argument dafür angeführt hat, diesen eben darum nicht zu mögen. doch im nun gehörten kontext fügen sie sich ganz andersartig ein und entziehen sich so der vorherigen betrachtungsweise. mit einem kleinen, aber unschätzbar teuren trick werden so horizonte auf wundersame weise ausgedehnt. und man könnte meinen, es erschliesst sich darin dem aufmerksamen zuhörer die gesamte transzendentale entwicklung menschlicher wesenseigenschaft.

die federlande bewegte sich in den letzten monaten auf dunklen pfaden des musikgenusses. es sind dies die wenig freudvollen zeiten, welche von überfluss und uneingeschränkter verfügbarkeit gezeichnet sind. irrend und zunehmend taub kämpft man sich immer tiefer hinein, in eine gefährliche sumpflandschaft, verzweifelt auf der suche nach der strahlenden perle, die den weg zurück zum quell reinen genusses weisen möge. wer gewohnt ist, danach ausschau zu halten und das martyrium dieser suche zu erdulden, wird abermals von der musik errettet werden. und mitunter aus diesem grund, ist dem zitat von paul klee uneingeschränkter wahrheitsanspruch zu gewähren.

drei perlen, die wie beatrice in dante's göttlicher komödie, mit ihrer heilsverkündung den irrenden führten, sollen an dieser stelle folgen.


robin hannibal - sneak preview (bonus track) (bobby ep)




thundercat - walkin (the golden age of apocalypse)




electric guest - under the gun (radical miracle)

30.08.2011

sentenz


 "Der Wein - [..] - Die Frauen -- Das ist - Das ist nun doch - Erlauben Sie mir - Weltuntergang -- Gethsemane --"


mynheer peeperkorn
in der zauberberg von thomas mann


(keine romanfigur ist je mit einer ähnlich verschwenderischen einstellung zum leben aufgefallen.)

28.08.2011

kampf der programme




zu jener zeit, in welcher dieser wunderbare clip aus mike nichols' the graduate spielt, war nichts besser oder schöner. die heutige sichtweise lässt lediglich eine retrospektive beurteilung zu, deren emotionale färbung man gut im auge behalten sollte. sonst kann es unversehens passieren, dass der/die betrachtende dem einschlägigen romantisieren verfällt.

ich glaube aber, dass dieser clip stellvertretend steht für etwas, wo wir uns heute mit einer dramatischen sprachlosigkeit konfrontiert sehen. was diese bilder im einvernehmen mit dem song von simon & garfunkel transportieren, ist kaum in worte zu fassen. zumal der kontext zum film fehlt. und es fällt schwer, an dieser stelle von der desorientiertheit des protagonisten zu sprechen, wo doch seine eltern und sein ganzes umfeld diese stufe überwunden zu haben scheinen, nur um auf unredlicheren pfaden zu wandeln. wer the graduate gesehen hat, erinnert sich bestimmt an das lachen des vaters - vielleicht auch nur an seine ordinäre zahnstellung - ein lachen, das einen die fehlleitungen des establishments erraten lässt. perspektiven, meine damen und herren, alles perspektiven.

die einen sehen dustin hoffman dabei zu, wie er sich als verwöhntes kind der oberen mittelschicht in zielloser selbstgefälligkeit sonnt. andere fühlen mit dem jungen menschen, dessen vorgegebener weg von sturm und drang umgepflügt wird. so signifikant die unterschiede in der wahrnehmung auch sein mögen, nichts täuscht über die triftigkeit und das gewicht dieser magischen zeit im leben eines jungen menschen hinweg. das glitzern auf dem wasser, hoffman's luftmatratzendümpeln, die grillenden eltern am rand des pools, -ein gefühl der weglosigkeit, welches so bequem eingerichtet werden darf.


dustin hoffman & anne bancroft


für diesen zustand fehlen uns heute weitgehend die worte. in der multioptionsgesellschaft werden angebotslücken aufgespürt und geschlossen. hofmann war nicht zum sonnenbaden verdammt, weil es ihm an angeboten mangelte, soviel ist klar. nur haben wir heute so weit vorgesorgt, dass selbst nein-sager, pausierer und desorientierte mit angeboten überhäuft werden, und sich der bisweilen schmerzhafte prozess der selbstbestimmung verwandelt hat, in einen artifiziellen entscheidungskampf, in welchem sich kommerzielle programme gegeneinander positionieren.

jugend wird heute tausendfach dargestellt. zwanghaft, als herde und zielgruppe und immer in bezug auf ein gewisses programm. weder dem musikfernsehen noch den jugendberichten gelingt es, aussagen zur verfassung der jugend zu machen. und trotzdem ist es eine frage der zeit, dass die semantik des jugendbegriffs vollständig an die verwertungsmaschinerie verloren geht und wir ihre fragile beschaffenheit verlernen.

22.07.2011

sentenz

 
"Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch. Kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, nie ein Ohr vom Hören voll. Es gibt nichts Neues unter der Sonne."


Buch Kohelet (Buch Prediger)

17.07.2011

a quick one: electric guest

vielleicht ist das einzige, was zum sonntagsglück fehlt, der richtige song. hier sieht sich die federlande gerne in der pflicht.
die interkulturellen beziehungen zum musikuniversum der us-amerikanischen westküste wurden aktuell, auf gegenseitigen effort hin, stark intensiviert. seitens der federlande ist das ganz einfach mit der umfassenden qualität der musik zu begründen. wer wären wir denn, wenn dies nicht als ultimativer grund gelten dürfte?






dieser post ist einem song gewidmet, der wie geschaffen ist für diesen wunderschönen sonntag, der dem gestrigen sonnenschein in nichts nachsteht. ein song, welcher in sonntäglicher andacht eingeführt werden soll, auf dass er seinen charme über viele kommende wochentage hin verteilen möge. nur die stille und gleichmütigkeit des regentags schafft eine empfänglichkeit, welche das leben selten noch für einen bereit hält. bonjour tristesse - bedenkt, wie viel wohlgefühl in diesen worten stecken kann.

alle trivia, rund um die urheber, wird sich zu gegebener zeit finden lassen. wer nicht warten mag, soll erste referenzen auf dem blog des besten radiosenders dieser erde einholen.

electric guest - troubleman (radical miracle)

25.06.2011

harry clarke

"Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?
[..]
Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
Er um uns her und immer näher jagt?
Und irr ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
Auf seinen Pfaden hintendrein."
aus goethe's faust I

der eigentliche beginn der tragödie. dem strudel ist nicht zu entkommen. von hier an geht's nurmehr abwärts. maelstrom und schneckenkreis würden auch die aufschreckenden und fliehenden verschlingen. nur gibt es deren keine. es gibt auch keine resignierte. welche, die sich unabänderlichem schicksal ausgeliefert sehen und alles wider oder für einstellen. es gibt nur solche, die sich mit entsprechender körperbewegung im gewinde in den abgrund arbeiten. da herrscht ein infernalischer eifer, tiefer einzutauchen.



harry clarke - illustrationen für faust (1925)


harry clarke - illustrationen für faust (1925)


harry clarke - illustrationen für faust (1925)



weshalb clarke's illustrationen den geist der geschichten so treffen, lässt sich wohl nicht abschliessend erklären. es muss sich bei der sache um die eigentümliche lust am verderben handeln. die lust an misere und auswegslosigkeit, welche die tuschezeichnungen clarke's märchenhaft und romantisch einfangen.

der von seinem schicksal gezeichnete fischer in edgar allen poe's a decent into the maelström berichtete von der lust am eigenen verderben mit den folgenden worten:
"Ich fühlte tatsächlich den Wunsch, seine [des maelströms] Tiefen zu ergründen, obgleich ich mich selbst dabei opfern musste, und mein hauptsächlicher Kummer war der, dass ich meinen alten Gefährten an Land niemals von den Wundern berichten sollte, die ich erschauen würde. Das waren gewiss sonderbare Betrachtungen für einen Mann in meiner Lage, und ich habe schon manchmal gedacht, dass die Drehungen des Bootes im Strudel mir ein wenig den Kopf verrückt hatten."


harry clarke - illustrationen für e. a. poe's meistererzählungen


harry clarke - illustrationen für e. a. poe's meistererzählungen


harry clarke - illustrationen für e. a. poe's meistererzählungen

14.06.2011

metap(h)orno - entlieben in bildern

momente des entliebens verschwimmen vor unseren augen. meist gefühlshalber. weil uns im angesicht des schmerzes, welchen sie mit sich bringen, die augen übergehen. intime detailansichten bleiben uns dank actio et reactio erspart. das prinzip erlaubt kein schmerzhaftes verweilen im augenblick. alles muss erinnerung werden.

die belichtungsdauer des fotoapparats macht eine zeitspanne sichtbar. sie komprimiert erinnerung - ist das ultradünne zip file einer durchlebten situation. detailhafte bannung von emotionen auf kleinstraum.


timo klos

"Ja, ich habe versucht, das festzuhalten, was man nicht festhalten kann: Situationen, die vergehen. Je länger man im Leben an Vergänglichem festhält, desto mehr tut es weh, wenn man es verliert. Beim Fotografieren ist es ähnlich: Je länger man belichtet, desto stärker verschwimmt alles, und desto weniger hat man am Ende davon. Das ist das Paradoxe."



timo klos "sexy sex, 20 minutes"



timo klos "dinner, 1 hour"


timo klos "sleeping, 9 hours"



zur entstehung der bilder: interview mit dem fotografen


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03.06.2011

tell me a song

es gibt songs, die rühren an einen sogenannten soft spot. anfangs klingen die lau und medioker. sie plätschern aus den lautsprechern und verbreiten hintergründig langeweile. ihre überlänge besitzen sie, um die langeweile als konzept zu beweisen. sie fluten den raum mit teilnahmslosigkeit.
es kann sein, dass man ins stricken vertieft dasitzt und die musik nur die stille übertönt. mit einem mal dringt da ein saxophonsolo ans ohr, mit sanftem hall versetzt. oder eine gitarre, die einzelnen töne ausgehalten, bis der gefühlskrampf selbst charles bronson die tränen in die augen drückt. dabei sticht man sich vielleicht unversehens die stricknadel unter den fingernagel. vielleicht bleibt das aber schlicht eine schmerzhafte vorstellung.
jedenfalls möchte man sich dieser situation nicht weiter ausgeliefert sehen und fühlt sich veranlasst, den sender zu wechseln oder den track zu skippen. da aber die fernbedienung weit weg liegt und der faule kater sich im schoss festkrallt, lehnt man sich schnaubend in den sessel zurück und lässt geschehen, was sich nicht verhindern lässt.
es sind dies momente des ausgeliefertseins - bis dann das eigentlich merkwürdige geschieht. der blick schweift in die ferne und man kann plötzlich das ohr nicht mehr lassen, von der frivolen schwüle, die da aus den boxen quillt. das anfängliche missfallen steigert sich auf eine ungewöhnliche ebene des behagens. es ist nicht die befriedigung einer vorliebe, die uns sonst so rasch betört. die nun empfundene wonne scheint von woanders zu kommen. gerade weil dieses behagen aus eigentlichem missfallen hervorgegangen ist, hat es die kraft, zu überwältigen. diese erfahrung ist wieder und wieder acht minuten wert.



bob welch - fleetwood mac

fleetwood mac - future games (future games)

30.05.2011

sentenz




         
"In jedem Kleide werd’ ich wohl die Pein
Des engen Erdelebens fühlen.
Ich bin zu alt, um nur zu spielen,
Zu jung, um ohne Wunsch zu sein.
Was kann die Welt mir wohl gewähren?
Entbehren sollst du! Sollst entbehren!
Das ist der ewige Gesang,
Der jedem an die Ohren klingt,
Den, unser ganzes Leben lang,
Uns heiser jede Stunde singt.
Nur mit Entsetzen wach’ ich morgens auf,
Ich möchte bittre Tränen weinen,
Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf
Nicht einen Wunsch erfüllen wird, nicht einen,
Der selbst die Ahnung jeder Lust
Mit eigensinnigem Krittel mindert,
Die Schöpfung meiner regen Brust
Mit tausend Lebensfratzen hindert.
Auch muss ich, wenn die Nacht sich niedersenkt,
Mich ängstlich auf das Lager strecken;
Auch da wird keine Rast geschenkt,
Mich werden wilde Träume schrecken.
Der Gott, der mir im Busen wohnt,
Kann tief mein Innerstes erregen,
Der über allen meinen Kräften thront,
Er kann nach außen nichts bewegen;
Und so ist mir das Dasein eine Last,
Der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst."


johann wolfgang goethe
faust




so klagt faust mephistopheles sein leid im ersten teil der tragödie. diesen versen will man alle bedeutung absprechen und ihnen mit hohn und spott begegnen, so wehleidig und unversöhnlich klingen sie. es ist ungünstig, die schwächen des lebens vor dem teufel auszubreiten. das trägt nicht eben zur deeskalation der situation bei. manchmal behält man da besser alles bei sich. landläufig ist diese verfahrensweise dann als tapferkeit bekannt und überaus geschätzt. man stellt damit sicher, dass niemand falsches von der eigenen misere wind bekommt. es könnte nämlich leicht gegen einen verwendet werden. und der teufel ist jemand falsches. dem teufel lacht man allenfalls ins gesicht und besteht darauf, dass einem nichts fehle. tapferkeit scheint mir gerade vor dem teufel die no. 1 tugend zu sein. man signalisiert damit, dass es nichts zu holen gebe, bei einem selbst. daran sollte jedem gelegen sein, der seine zukunft fernab von dreizack, schwefelheissem gestein und klauenfüssigem ungetier plant.

17.05.2011

the burning house

nur was fortzutragen ist.
the burning house.
ein interessantes projekt von foster huntington aus new york.

was uns wohl an der vorstellung fasziniert,
unsere sachen loszuwerden?



nicht dem feuer überlassen: hannah queen's lieblingssachen


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